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BRUDER KLAUS; UNSER PASTORALRAUMPROJEKT 2017

Im Jubiläumsjahr des Heiligen Bruder Klaus haben sich die Mitarbeiter in vielfältiger Weise mit dem Leben und der Botschaft des Heiligen auseinander gesetzt. Unter anderem entstand ein Predigt Zyklus über die Visionen des heiligen Bruder Klaus.

 

 

Vision bei Liestal

Ralf Binder, Gemeindeleiter Pfarrei St. Johannes d.T., Walchwil

Wenn Bruder Klaus heute predigen würde, wäre heute an dieser Stelle sicher nur ein grosses Schweigen zu vernehmen.
Bruder Klaus ist nämlich ein guter Zuhörer und ein guter Ratgeber. Aber er fasst sich kurz, sehr kurz.
Da ich in der Nähe von Liestal gewohnt habe, wo Bruder Klaus sein grosses visionäres und geistiges Erlebnis gehabt hat, wählte ich mir dieses Predigtthema aus. Die Gegend um Liestal ist mir aus meiner eigenen aktiven Pilgerwanderei von Zeiningen aus nach Mariastein, dem Benediktinerkloster bei Basel, das aber schon im Kanton Solothurn liegt, das gerade an der Grenze zum Elsass in der Nordwestschweiz liegt, vertraut.
So lassen Sie mich zitieren, was damals Bruder Klaus widerfuhr: Wir wissen, nach langem Ringen mit sich, mit Gott und im Dialog mit seiner geliebten Frau Dorothea schenkt sie ihm die notwendige Freiheit und lässt ihn ziehen.

Folgendes wird berichtet:
Als Niklaus auf dem Weg zu den Gottesfreunden in Richtung Liestal kam, erschien ihm die Stadt ganz rot, sodass er erschrak. Da traf er einen Bauern und besprach mit ihm sein Vorhaben. Der Bauer riet ihm, nicht ins Elsass zu ziehen, sondern Gott in der Heimat zu dienen. Als Niklaus darauf hin im Freien übernachtete, traf ihn ein Lichtstrahl vom Himmel, der ihn im Bauch schmerzte wie ein Messerschnitt. Er begriff, dass er in die Heimat zurückkehren sollte, und brach, wie von einem Seil in den Ranft zurückgezogen, dorthin auf und wurde vom Pilger zum Eremiten. Seit diesem Erlebnis mit dem Lichtstrahl ass und trank er nichts mehr, fast 20 Jahre lang. Unter dem Zeichen unserer Zeit tritt Bruder Klaus und mehr und mehr auch seine Ehe ins grosse Licht: Ganz und gar Laie: Bauer, Ehemann, Familienvater, Ratsherr. Eine Ehe, die als Lebens- und Glaubensgemeinschaft über sich selbst hinaus zum Licht und zur Hoffnung inmitten der Welt wird.
Zitate Ende.
Wie passt diese Geschichte wieder doch so gut zum heutigen Evangelium Mt 17,1-9 . Jesus hat Visionen, die Jünger haben Visionen und sehen ihm zusammen mit den grossen und hoch verehrten geistigen Gestalten Mose und Elija. Bruder Klaus hat eine Farbvision. Er sieht rot. Und das ist nicht nur bildlich sondern wörtlich zu verstehen. Und er wird beim Schlafen in freier Natur verwandelt. Sein Leib erfährt eine schmerzhafte Wandlung. Er entkoppelt sich von dem menschlichen Thema Ernährung.
Er wird durch das aktive himmlische Einwirken bedürfnislos, mit der Folge er braucht nichts mehr zum Essen. Er ist Gott so nahe gekommen, dass er aus der Fülle des echten Seins lebt. Auch wenn das für uns, die wir immer wieder Zeichen und Wunder um Gottes Heilshandeln in die Welt zu sehen, fordern, für ihn ist das nicht das Entscheidende. Das Fasten ist nur eine Begleiterscheinung, die er am liebsten verbergen möchte. Aber es entgeht nicht den beobachtenden Augen seiner MITMENSCHEN.
Zurück in die Heimat zu ziehen und sich dem Leben in Gott zu stellen ist wohl die grösste Herausforderung. Hatte nicht Jesus selbst am eigenen Leibe erfahren müssen, wie das ist: in seiner Heimat konnte Jesus keine Wunder tun. Und er macht die Feststellung: Kein Prophet gilt etwas in seiner Heimat.... Mk 6,4
Eigenartigerweise ist das bei Niklaus von der Flüe anders, und es ist ebenso speziell, dass dies ihm auch ein einfacher Bauer rät ihm zur Umkehr gen Heimat. Kein Priester, kein Beichtvater, kein Weiser, sondern ein einfacher Mensch, der mit dem Erdboden verbunden ist gibt ihm den entscheidenden Impuls.
Kehre zurück an Deinen Heimatort und halte es dort aus.
Ich finde das mehr als bedenkens- und gar staunenswert. Es ist doch einfacher und zugleich sinnvoller, als Eremit sich an einem anderen Ort etwas Neues aufzubauen. Vielleicht gar den Namen und die Identität zu wechseln. Nichts. Von alldem nichts. Bruder Klaus kehrt, um zu sich selbst und kehrt nach Hause. Dort lebt er in einer bewundernswerten Einfachheit. Er der vorher schon bescheiden lebte, geht nochmals einen Schritt weiter.
Nun ist er befreit von dem Hunger nach dem irdischen Brot und nur das himmlische ist ihm wichtig. Er wird zum Lauscher der Dinge. Er hört zu und nimmt die Probleme seiner Mitmenschen hinein ins grosse Schweigen, das uns alle umgibt. Und er gibt eine existenzielle Antwort auf die Wüstenerfahrung Jesu, die wir gerade zu Anfang unserer Fastenzeit wieder einmal gehört haben. Nach 40 tägigem Fasten antwortet er auf die erste Versuchung des Widersachers mit diesem Wort: Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Worte, gute Worte aus Gottes Mund sind unser Brot für die Seele. Wenn wir im Einklang mit unserer Welt sind haben wir auch weniger Hunger, Wie oft essen wir aus innerer Leere und Frust heraus und nicht aus einem wirklichen Hungergefühl heraus.
Wir essen so viel, so dass wir den Ärmsten noch die Grundlagen zum Leben wegnehmen. Unser Hunger nach den Dingen dieser Welt ist unersättlich. Und je mehr wir bereits haben, desto mehr hungert uns nach dem Mehr.
Wie viel ist genug, für mich? Wie viel ist genug für uns alle?
Das wird und das ist die zentrale Frage an der das Überleben der Gattung Mensch hängt....
Das Masshalten das wir in der Fastenzeit einüben, ist eine christliche Tugend und nicht nur das, es ist der Garant dass es allen besser geht, dass es allen Menschen gut geht.
Bruder Klaus geht noch einen Schritt weiter, ihm wurde das Geschenk der Bedürfnislosigkeit zuteil. Aber dies geschah nur, weil er auf seine Träume und Visionen achtete. Weil er sie nicht benebelte sondern sich meditierend, betend und bittend auf sie einließ. Darum ist er zu dem geworden, was uns an ihm befremdet und ins Erstaunen versetzt.
Vielleicht steigen wir demnächst in die Ranft hinab, vielleicht gehen wir in uns und finden diesen Brunnen der nie leer wird, der unseren Hunger und unseren Durst echt stillt. Denn auch ohne Bruder Klaus, mit diesem - unserem Appetit und Hunger kann es weitergehen und vor allem nicht ausgehen.
Hören wir auf den Heiligen in der Ranft und versuchen wir mit ihm zu Lauschen und den Dingen auf den Grund zu kommen: im Beten, im Wahrnehmen, im Handeln aus dem Geiste und der Liebe Jesu, die sich der Heilige Bruder Klaus zu eigen gemacht hat.

 

 

 

Bruder Klaus Brunnenvision



Bruder Klaus sitzt meditierend an einem Bach, den Blick ganz nach innen gerichtet. Aus einem Tempel, einem Tabernakel, entspringt eine Quelle lebendigen Wassers, das als Bach vom Berg herab unaufhörlich ins weite Land sprudelt. Der Tabernakel ist sein eigenes Herz. Handkolorierter Holzschnitt im «Pilgertraktat»
(Augsburger Inkunabel um 1488 – älteste Darstellung von Bruder Klaus).

18./19. Nov. 2017 – 33. So A
Brunnenvision
Jes 55,1-3; Joh 7,37-39
Sr. Mattia Fähndrich, Pastoralassistentin, Pfarrei St. Michael, Zug

Es gilt das gesprochene Wort

Einleitung

Musikalisch sind wir in die Fülle des heutigen Gottesdienstes eingestimmt. Es ist ein GoDi der von dem geprägt ist, was die Fülle des Lebens von BK ausmacht. In diesem 600. Gedenkjahr seiner Geburt wurde viel gesagt, geschrieben und künstlerisch ausgedrückt, was diesen Mann im Ranft, unseren Landespatron ausmacht. Im Lauf des Jahres haben Sie im PR u.a. auch einen Predigtzyklus über die Visionen hören können. Dieser findet heute seinen Abschluss.
Der Besuch der drei Edelleute, die Erkenntnis in Liestal, die Turmvision, und jene der vier Lichter – und heute die Brunnenvision geben Einblick in das Suchen und Ringen von BK. Wir können seine Visionen als Urgleichnisse des Lebens verstehen. Sie lassen uns Anteil haben an der göttlichen Nähe, die ihn gezogen und ihm immer wieder Mut und Kraft geschenkt habt.
Franz Hohler, der bekannter CH-Schriftsteller, hat die Visionen von BK in einem eindrücklichen Gedicht zusammengefasst und fragt am Schluss: Was sollen wir tun, Bruder Klaus, was sollen wir tun?
Die Brunnenvision und alle Elemente der Gottesdienstfeier laden uns heute ein, dieser Frage nachzugehen und aus den Quellen des Lebens zu schöpfen.

Predigt

Liebe Gottesdienstgemeinschaft
Vieles müssen wir uns hart verdienen. Aber es gibt Dinge im Leben, die mit Geld nicht zu bezahlen sind. Vielleicht ist das Kostbarste im Leben das, was uns geschenkt wird. Der Prophet Jesaja spricht von einem Gott, der seine Gaben ganz umsonst, gratis, anbietet. Dazu lädt auch Jesus ein. Die Lesungen sprechen von einer überquellenden Fülle, zu der wir eingeladen sind.
Mit diesen starken Bildern im Hintergrund können wir uns nun der Brunnenvision annähern, die ebenfalls sehr bildhaft ist. Ich erzähle sie Ihnen in einer gekürzten Version, nach der Vorlage von Caspar Ambühl um 1500.
Bruder Klaus sitzt meditierend an einem Bach, den Blick ganz nach innen gerichtet. Er betrachtet die Leiden Christi, wie es ihm sein Freund, der Pfarrer Heimo Amgrund angeraten hatte.
In seinem Geist dünkt es ihn, als ob er auf einem Dorfplatz stehen würde, wo viele Menschen arbeiten und doch mausarm sind. Daneben steht ein schön gebauter Tabernakel. Die Türe ist offen. Er geht hinein und betritt die Küche einer ganzen Gemeinde. Dort fliesst ein Brunnen aus dreierlei: Wein, Öl und Honig. Er steigt die Treppe hoch und sieht den Brunnen in einem mit Eisen beschlagenen Kasten entspringen. Glasklar und mächtig stürzt er aus allen Spalten heraus. Es ist ein Brunnen und doch fliessen drei Flüsse in einem Kennel weg. Je näher BK dem Brunnenkasten kommt, desto mehr sinkt er ein. Er erkennt, dass er schnell die Füsse an sich ziehen und sich tragen lassen muss, um dorthin zu gelangen.
Bruder Klaus geht hinaus und schaut, was die Leute tun: Einige haben einen Zaun gezogen und verlangen den Pfennig von jedem, der passieren will. Andere spielen auf oder arbeiten als Schneider und Schuhmacher. Alle jagen dem Geld nach und bleiben doch arm. Niemand geht zur Quelle, um zu schöpfen. Während er zuschaut, verwandelt sich die Umgebung und bekommt die schroffen Umrisse der Gegend bei Bruder Klausens Kapelle. Da erkennt er in seinem Geist: Dieser Tabernakel ist er selber.
Nun schauen wir aus unserer Zeit heraus gleichsam in den Ranft hinunter und in die Vision hinein. Sie ist ein Gleichnis, ein Bild, das Einblick in die Zeit des 15. Jh. und in die Frömmigkeit von BK gibt.


Das 15. Jh. ist eine Zeit grosser Umbrüche. 1453 erobern die Türken Konstantinopel. Ist dies der Anfang vom Ende des christl. Abendlandes? Der moderne Mensch beginnt sich in religiöser und weltanschaulicher Hinsicht von Gott zu emanzipieren und sich selber in den Mittelpunkt des Denkens zu stellen. Wirtschaftliche Umwälzungen lassen allmählich auch im Obwaldnerland die Geldwirtschaft Teil der Lebenswirklichkeit werden und der eigene Besitz wird zunehmend abgegrenzt. Es ist eine Bewegung vom Kollektiv hin zum Eigennutzen. In unsern Breitengraden beginnt sich durch kriegerische Auseinandersetzungen und politische Abkommen die Eidgenossenschaft herauszubilden.
In den damals modernen Kirchen – das sind gotische wie die unsere – erhält der Tabernakel als Aufbewahrungsort für die geweihten Hostien an der Seite einen besonders kostbar gestalteten Platz. An die Kirche St. Oswald hat BK übrigen einen Goldgulden gespendet. Mit dem Bau wurde etwa 10 Jahre vor dessen Tod begonnen.
Diese Zeit scheint in der Brunnenvision auf. Es ist eine ferne Zeit, in die wir blicken. Sie scheint mir aber gar nicht so fremd zu sein, wenn ich an die heutigen Gründe für Kriege denke, an Autonomiebewegungen wie in Katalonien und wachsende Völkerunionen, an die digitale Währung Bitcoin, an das Ringen um das Kirchenverständnis und an Diskussionen um die Freiheit und Würde des Menschen.
Da lässt sich mit Franz Hohler fragen, was WIR heute tun sollen. Antworten werden wir keine einfachen und end-gültigen finden. Mich dünkt aber, dass uns die Brunnenvision mit in die Spiritualität von BK hineinnehmen kann und uns dadurch Hinweise für eine gelebte Spiritualität gibt. Sie können uns helfen (wie BK) hineinzuwachsen in das Kostbarste, was uns geschenkt werden kann. Dazu möchte ich abschliessend ein paar Aspekte der Vision beleuchten.
BK geht durch eine Türe, die allen Menschen offen steht, ob reich ob arm, ob in der Mitte eines pulsierenden Lebens stehend oder am Rand.
BK entdeckt, was sich auf dem Dorfplatz tut und wie es im Tabernakel aussieht. Reichtum und Wert verschieben sich.
BK wird einsam mitten unter den Menschen. Sein Weg lässt ihn hineinwachsen in die Verbindung mit dem Göttlichen. Diesen Reichtum und diese Vielfalt können wir wohl nur erahnen.
BK hat den Mut, sich dem Innersten zu nähern, auch wenn der Boden unsicher wird. Um zum Wertvollsten zu kommen, lässt er sich tragen.
BK schottet sich durch seinen Rückzug aus der Hektik der Welt nicht ab. Durch ganz unterschiedliche Ratsuchende kommt die Welt in den Ranft. Nicht nur damals.
BK erkennt, dass er selber der Tabernakel ist. Das erinnert mich auch an ein Zitat von Mutter Teresa aus Kalkutta in unsere Zeit hinein: Ein Christ ist ein Tabernakel des lebendigen Gottes. - Er erschuf mich, er erwählte mich; er kam und nahm Wohnung in mir, weil er mich brauchte. - Wenn ihr nun wisst, wie sehr Gott euch liebt, ist es dann nicht ganz natürlich, dass ihr den Rest eures Lebens dazu nutzt, diese Liebe auszustrahlen?


Vor dem Schlusssegen

Visionen – Franz Hohler

Was hast du nicht alles gesehen
schon aus dem Leib deiner Mutter heraus
erblicktest du
einen Stern am Himmel
bei deiner Taufe stand
du sahst ihn genau
ein Mann, ein alter
den niemand kannte
und als Jüngling
erschien dir
dort, wo dein Elternhaus stand
ein hoher, prächtiger Turm
und damals,
als du dein Land verlassen wolltest
kamst du bis Liestal
und als die Stadt vor deinen
nach innen gerichteten Augen
in brennendem Rot erglühte
kehrtest du um
und sahst vier Kerzen
die langsam niedergingen
dort, wo du fortan hausen solltest
Waldbruder Klaus
allein.
Und unter die Menschen
die Rat bei dir suchten
mischten sich solche
die du im Geiste sahst
ein Wanderer mit einem Pilgerstab
der so lang und so laut
Alleluja sang
bis hinter dir
der Pilatus flach gedrückt wurde
und drei edel gekleidete Männer
die in Gelächter ausbrachen
als du sagtest
du folgest allein deinem Herrn.
Und was war mit dem Brunnen der Armen
aus welchem Wein und Honig und Öl floss
und was mit Gottvater und Mutter Maria
die sich bedankten bei dir
und du wusstest nicht wie dir geschah?
Und zuletzt
das alles durchdringende Licht am Himmel
in welchem gross ein menschliches Antlitz erschien
es warf dich zu Boden.
Wer blickte dich an von da oben?
Ich glaube
das waren wir
wir alle
die heute hier leben
umgeben vom Schrecken der Welt
und wir hätten dich gerne gefragt:
Was sollen wir tun
Bruder Klaus
was sollen wir tun?


https://www.nvf.ch/qnr068.asp
http://www.bruderklaus.com/?id=24
http://www.mehr-ranft.ch/

 

 

 

 

 


3. So JK A, 22.01.2017 Gottesdienst
Predigtzyklus Bruder Klaus Visionen in St. Johannes Zug:
Besuch der drei Edelleute
Roman Ambühl, Pastoralassistent


♫ Einzug Orgel

Liturgische Eröffnung/Begrüssung
Gott für uns – wir nennen dich „Vater“
Gott mit uns – wir nennen dich „Jesus“
Gott in uns – wir nennen dich “Heilige Geistkraft“
Gemeinsam bist du das Ewige Geheimnis,
das alles, was ist, ermöglicht, entfaltet und belebt –
auch uns, jede und jeden einzelnen.
Aus dir wollen wir feiern:
Im Namen des Vaters… +++
Amen

Einleitung:
Bruder Klaus, der Schweizer Heilige, wurde 1417 im Flüeli geboren. Er feiert dieses Jahr seinen 600. Geburtstag. Dieser wird in der Schweiz zusammen mit dem 500-Jahr-Jubiläum der Reformation gefeiert. Am 1. April findet sogar der offizielle Festtag für die ganze Schweiz in Zug statt. Im Pastoralraum Zug-Walchwil gibt es auch darüber hinaus verschiedene Anlässe zu diesem Jubiläum. Heute halte ich eine erste Predigt in einer Reihe zu den Visionen von Bruder Klaus.
Niklaus von Flüe lebte 50 Jahre in seiner Welt als Bauer, Soldat, Ehemann und Vater von zehn Kindern. Er übte das Amt eines Ratsherrn und Richters aus, der für das Recht und den Frieden eintrat. Aber im Innern des angesehenen Mannes lebte die Unruhe, die ihn in die Einsamkeit und in die Nähe Gottes drängte. Heimann Am Grund, der Pfarrer von Kriens, war ihm Berater und Helfer auf dem Weg.
1467 trennte sich Niklaus von seiner Familie und seinem Besitz und wollte Pilger werden. In Liestal kehrte er nach einer Vision um und wurde Einsiedler kaum 10 Minuten von seinem früheren Zuhause weg. Auch jetzt hörte er nicht auf, für seine Landsleute Berater und Friedensstifter zu sein. Bekannt ist vor allem sein Eingreifen bei der Tagsatzung in Stans im Dezember 1481. Im Übrigen lebte er in seiner Zelle im Ranft, einer einsamen Schlucht des Melchaatals. Fast zwanzig Jahre lebte er ohne Nahrung. Die Kraft seines Gebets, seine tiefe Gottverbundenheit und theologische Klarheit waren für seine Zeitgenossen ein Wunder, das sie zugleich anzog und erschreckte. Bruder Klaus starb am 21. März 1487.
Roland Gröblis Dissertation über Bruder Klaus heisst: „Die Sehnsucht nach dem einig Wesen“. Bruder Klaus als Mystiker sehnt sich nach der Nähe Gottes. Bei der Vorbereitung habe ich ein Lied im KG gefunden, dass ich darum mit Ihnen in dieser Feier etwas vertiefen möchte.

♫ 599,1-3 „Nahe wollt der Herr uns sein…“ Orgel

Das Gebet des Bruders Klaus beten oder singen wir oft in unseren Gottesdiensten. In der Vorbereitung habe ich bemerkt, dass die Reihenfolge der Bitten in seiner ursprünglichen Form etwas anders daherkommt:

In dieser Form wollen wir uns besinnen

Kyrie/Besinnung mit Klangschale

Bruder Klaus sagt:

O mein Gott, nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.“

Unsere Freiheit und Autonomie ist immer schon dein Geschenk.

Klang

Bruder Klaus sagt:


O mein Gott, nimm von mir
alles, was mich hindert zu dir.“

Du siehst uns immer schon als deine Söhne und Töchter.

Klang

Bruder Klaus sagt:


O mein Gott, gib mir
alles, was mich fördert zu dir.“

Alles, was wir empfangen kommt von dir
und alles was wir von dir empfangen führt uns zu dir.

Klang

Vergebungsbitte

Gott, Quelle des Lebens

Du bist Beziehung und machst dich uns erfahrbar, wo wir deine Beziehungskraft erfahren.

Öffne uns für das Bewusstsein der Verbundenheit mit allem, was ist, aus dem gemeinsamen Ursprung in dir. Wenn wir mit dir verbunden sind, sind wir es mit allen Geschöpfen und mit allen Menschen. So wird Sünde, die trennende Macht überwunden!

Im Wissen darum, dass uns das nicht immer gelingt, stehen wir vor dir und voreinander. Wir bitten um Vergebung, damit wir neu mit dir und miteinander verbunden sein können durch die Liebe, die Gerechtigkeit sucht –
die Liebe, die du selber bist –
die Liebe, die in uns und durch uns lebt. +++

♫ 236,3 zum Gloria „Lob, Ehr und Preis sei Gott…“ Orgel

Tagesgebet

O mein Gott, nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.
O mein Gott, nimm von mir
alles, was mich hindert zu dir.
“„O mein Gott, gib mir
alles, was mich fördert zu dir.“


Lesung Gen 18, 1-6
Lesung aus dem Buch Genesis
GOTT 1 erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. Abraham saß zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang. 2 Er blickte auf und sah vor sich drei Männer stehen.
Als er sie sah, lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde nieder 3 und sagte:
Mein Herr, wenn ich dein Wohlwollen gefunden habe, geh doch an deinem Knecht nicht vorbei! 4 Man wird etwas Wasser holen; dann könnt ihr euch die Füße waschen und euch unter dem Baum ausruhen.
5 Ich will einen Bissen Brot holen, und ihr könnt dann nach einer kleinen Stärkung weitergehen; denn deshalb seid ihr doch bei eurem Knecht vorbeigekommen.
Sie erwiderten: Tu, wie du gesagt hast.

♫ 599,1-2 „Nahe wollt der Herr uns sein…“ Orgel

Evangelium Mt 4, 12-17

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

12 Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. 13 Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. 14 Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: 15 Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: 16 das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. 17 Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.

Predigt A

Im Pastoralraum Zug-Walchwil haben wir uns gemeinsam für das Bruder Klausen Jubiläumsjahr vorgenommen, fünf Visonen in fünf Predigten je in den fünf Pfarreien des Pastoralraums zu behandeln.
Die „Vision“, die mir zugefallen ist, ist einzig vom Chronisten Heinrich Wölflin überliefert und Bruder Klaus begegnet wie Abraham bei den Eichen von Mamre drei Männern, von denen sich herausstellt, dass sie für Gott stehen.
Die drei (oder der eine der spricht) sagt Abraham und Sara im weiteren Verlauf der Geschichte die Geburt eines Sohnes innert Jahresfrist voraus. Darüber lacht Sara im Verborgenen. Denn beide, sie und Abraham, sind sie schon sehr alt.
Vor diesem Hintergrund ist die heutige Vision zu hören:

 „Die Erscheinung der drei Männer“ (Übersetzung: Roland Gröbli)
«Drei wohlgestalte Männer, die in Gewandung und Haltung einen adeligen Rang verrieten, kamen zu ihm, während er mit häuslicher Arbeit beschäftigt war. Der erste begann in folgender Weise das Gespräch: Nikolaus, willst Du Dich ganz mit Geist und Leib in unsere Gewalt geben? Jener erwiderte sofort: Niemand ergebe ich mich als dem allmächtigen Gott, dessen Diener ich mit Seele und Leib zu sein verlange. Auf diese Antwort wandten sie sich ab und brachen in ein fröhliches Lachen aus.»

Predigt B
Bruder Klaus hat diese Vision (diese besondere Ein-Sicht) …während er gerade mit häuslichen Aufgaben beschäftigt war… Er ist also noch in seinem Alltag als Ratsherr und Bauer tätig. Und er ist nicht in der Kirche oder im Gebet vertieft.
Da überkommt ihn die Frage, sie treibt ihn eigentlich schon immer um:
Wem oder was ergebe ich mich? Wem oder was unterwerfe ich mich? In wessen Dienst stelle ich mich?

«Niklaus, willst du dich mit Geist und Leib ganz in unsere Gewalt geben?
»
Niklaus‘ Antwort ist klar:
«Ich ergebe mich niemandem, ausser dem allmächtigen Gott,
dessen Diener ich mit Seele und Leib zu sein wünsche.»


Spannend finde ich die Reaktion der drei Gäste auf die Antwort von Bruder Klaus.
Seine Aussage niemandem, ausser dem allmächtigen Gott quittieren die drei mit Lachen. Unweigerlich assoziiert der Bibelleser die drei Besucher bei Bruder Klaus mit den drei Besuchern von Abraham, also identifizert sie mit Gott. Verstärkend im Assoziieren wirkt im Hintergrund das Lachen von Sara, Abrahams Frau, über den „unmöglichen“ göttlichen Plan ihrer Schwangerschaft.
Hier bei Bruder Klaus lacht allerdings Gott in Person der drei Edelleute. Aber über was? Ist es einfach ein Lachen der Freude? Das mag ein Aspekt sein. Das Lachen der Sara ist in der traditionellen Interpretation allerdings auch eines, das sich über die unmögliche Vorstellung lustig macht, in hohem Alter Eltern zu werden. Also eher ein spöttisches.
Lachen die Edelleute also vielleicht auch über die Komik der Situation, dass BK die drei nicht als Gott erkennt. Lachen sie über die unmögliche Vorstellung, der Mensch könne wirklich etwas anderem dienen ausser Gott, der alles in sich vereint. Ich tendiere aus Sicht des Mystikers Bruder Klaus zur dieser Antwort.
Der Prediger Johannes Tauler (um 1300-1361) beschrieb den Weg des Mystikers in einem Brief so: «... Und woran, so fragt man, können solche liebenswürdige Menschen erkannt werden? Nun, daran, dass ihnen völlig genügt und wohlgefällt, was immer ihnen Gott geschehen lässt. Hierin beginnt schon hienieden ihre Seligkeit und dauert immerzu, da sie in allen Dingen wahren, unversehrten Frieden haben. ... Diese Menschen lassen Gott das Seine und behalten das Ihre, nämlich die Für-nichts-Achtung ihres eigenen Ichs. Dafür nimmt ihnen Gott das Ihre und gibt ihnen das Seine, nämlich die Allmacht in ihm. Sie fangen nämlich so sehr an, gleichsam Gewalt über Gott zu haben, dass er nichts ohne sie tut; und umgekehrt hat Gott solche Gewalt über sie, dass sie nichts ohne ihn tun wollen.»

Hier hören wir umschrieben, was im Bruderklausengebet zum Ausdruck kommt.
„Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.“ Für viele tönt das bedrohlich. Da verliere ich doch meine Freiheit und Selbständigkeit. Aber genau das ist der Punkt: Unsere Freiheit ist immer schon verdankt und geschenkt. Erst wenn wir uns dessen bewusst werden, sind wir wirklich frei und spielen uns nicht selber etwas vor.
Die grosse Sehnsucht von Bruder Klaus ist dieses „einig Wesen“. Die mystische Vorstellung des ALL-EINS-SEINS. Diese Sehnsucht findet er immer mehr im All-ein-sein in der Natur und in der betrachtenden Meditation, dem Gebet. Hier wird ein Paradox sichtbar. Gerade im Alleinsein, öffnet sich dem Mystiker das ALL-EINS-Sein.

Im glaubenden Vertrauen darauf, dass alles, was ist, aus Gott kommt, kann die Frage danach, in wessen Dienst ich mich stelle oder wem ich mich unterwerfe nur die von BK sein: «Ich ergebe mich niemandem, ausser dem allmächtigen – ich würde umschreiben: in allem wirkenden – Gott».
Darum geht es darum, offen zu sein „aufzublicken“ wie Abraham und „gastfreundlich“ wie Abraham, sich diesem Wirken zu öffnen. In allem, was ist, kann und will Gott wirken uns sich erfahrbar machen.Dazu braucht es die Aufgabe des EGO, das sich nur um sich selbst dreht. Es geht in der mystischen Tradition darum, sich mit ALLEM zu verbinden, das aus Gott kommt. Da ALLES aus Gott kommt und von Gott durchwirkt ist, kann ich darauf vertrauen, dass damit auch mein ICH nicht verloren ist, sondern auf ganz neue Art in einer neuen „ewigen“ Qualität lebt.

In diesem Sinn kann ich sagen: «Ich ergebe mich niemandem, ausser dem allmächtigen – ich würde umschreiben: in allem wirkenden – Gott». Amen.

♫ Variation zu 599 als Zwischenspiel Orgel

Fürbitten
mit 599 Refrain als Antwortgesang: „Mitten unter euch…“ Orgel
Wir beten und singen aus dem Vertrauen auf Gottes Kraft und verbinden uns mit Menschen und Situationen, die vom Fluss der göttlichen Liebe abgetrennt sind:

1. Wir beten und singen mit Menschen in aller Welt, die in Angst und Misstrauen gefangen sind. Damit aus dir Zuversicht und Gestaltungskraft wachse…
Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt… 2x2.

2. Wir beten und singen mit Menschen in aller Welt, die Verantwortung tragen in Kultur, Wirtschaft und Politik. Damit aus dir Vertrauen und Kreativität wachse…
Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt… 2x

3. Wir beten und singen mit Menschen in aller Welt, die Not leiden und in Verzweiflung fallen. Damit mit Geistkraft und Phantasie ihre Not gewendet werden kann…
Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt… 2x

4. Wir beten und singen als christliche Gemeinschaft: Auch wenn wir sie nicht immer spüren – wir wissen: Die gleiche Geistkraft wirkt in allen. Wir singen einander Ermutigung zu:
Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt… 2x

Immer wieder gilt es, uns mit der göttlichen Kraft zu verbinden. Wir können freudig und dankbar darauf vertrauen, dass sie immer in Überfülle da ist. Es geht nur darum, uns ihr zu öffnen. In dieser Offenheit zünden wir jetzt auch je eine Kerze an für die Verstorbenen, an die wir heute besonders denken…

Gott, schenke ihnen und all unseren Verstorbenen die ewige Freude…
…und das ewige Licht leuchte ihnen.
Lass sie ruhen in deinem Frieden…
Amen.

Kollekte

♫ KG 599,1.4.5 anstelle eines Sanctuslieds „Nahe wollt der Herr uns sein…“ Orgel

Dankgebet

Vaterunser/Friedensgruss (3x Gong)

546 Gebet von Bruder Klaus

In diesem kleinen Stück Brot kommst du uns in deiner ganzen Grösse nah
und schenkst uns immer wieder neues Leben!

♫ Zur Kommunion ev. schon mal Melodie 791 anklingen lassen Orgel

Mitteilungen/Dank

♫ 791,1-4 Schlusslied „Du grosser, heilger Mann im Ranft …“ Orgel

Segen

BK diktierte im Brief an den Rat zu Bern:

«Fried ist allweg in Gott. Denn Gott ist der Fried»

So wollen wir uns in der Senkrechten mit Gott verbinden, damit wir in der Horizontalen den alles einenden Frieden aus dieser Verbindung
in die Welt hinaus tragen können.
So wollen wir als gesegnete hinausgehen im Namen des dreieinen Gottes der uns ist wie Vater und Mutter, Bruder in Jesus Christus und lebendigmachende Geistkraft.
Amen.

♫ Auszug Orgel

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